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Freihandel – wer zahlt den Preis?
Freihandel oder Handelsliberalisierung bedeutet das Öffnen von Märkten durch den Abbau von Handelsschranken, wie zum Beispiel Zöllen. Dadurch treten Waren und Dienstleistungen auf der ganzen Welt miteinander in Konkurrenz.

In der Praxis nutzen die globalen Handelsregeln vor allem den reichen Ländern. Sie verstärken die Kluft zu den ärmeren Ländern, die bereits jetzt im Konkurrenzkampf nicht mithalten können.

Handel als Waffe – Zölle und Subventionen

Teil des Problems ist, dass Handel verschiedene Funktionen hat. Er ist nicht nur ein Werkzeug, um Waren auszutauschen – er kann auch eine Waffe sein. Derzeit verstärkt die Struktur des Agrarhandels globale Unterschiede zwischen Nord und Süd sowie West und Ost. Die reichen Länder nutzen Zölle und Subventionen, um ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber Entwicklungsländern zu schützen und vorhandene Ungerechtigkeiten abzusichern oder sogar zu verstärken.

Einerseits nutzen Industrieländer Handelsbarrieren, wie zum Beispiel Zölle, die sie Waren aus anderen Ländern auferlegen. So werden importierte Waren aus Entwicklungsländern teurer und sind im Vergleich zu den in Industrieländern produzierten Waren weniger konkurrenzfähig. Entwicklungsländer werden so am Eintreten in den globalen Markt gehindert. Andererseits subventionieren Industrieländer auch die inländische Produktion: Regierungen lassen Unternehmen Geld oder andere Formen der Unterstützung (z.B. Steuererleichterungen) zukommen, um sicherzustellen, dass ihre Produkte und Dienstleistungen billiger sind als importierte. Dadurch werden kleinere oder lokale ProduzentInnen in ärmeren Ländern in den Ruin getrieben. Da subventionierte Lebensmittel aus Industrieländern in Entwicklungsländern billiger sind als vor Ort produzierte Nahrung, wird dadurch ebenfalls der lokale Markt zerstört.

Subventionen von Industrieländern führen zu Dumping auf dem Weltmarkt – das heißt, dem Verkauf unter einem „angemessenen Wert". Mit Hilfe von Subventionen können ProduzentInnen aus Industrieländern ihre Produkte sogar unter den Produktionskosten auf dem Markt der Entwicklungsländer verkaufen.



Viele europäische Länder, die USA und Japan nutzen diese Maßnahmen, um ihre eigenen Wirtschaften zu fördern. Sie machen es kleineren oder weniger entwickelten Ländern unmöglich, am globalen Markt Fuß zu fassen. Während sie ihre Märkte schützen und abschotten, verfolgen dieselben Länder eine Doppelmoral, da sie die Entwicklungsländer durch Strukturanpassungsmaßnahmen zwingen, ihre Märkte zu öffnen. Weigern sich Entwicklungsländer den Strukturanpassungsmaßnahmen zu entsprechen, wird keine finanzielle Unterstützung durch die Weltbank und/oder den Internationalen Währungsfond gewährt.

Dennoch ist die Lösung nicht, alle Zölle und Beihilfen zu verringern oder zu beseitigen. Das würde das Problem der ungleichen Machtverhältnisse zwischen Nord und Süd nicht lösen. Freihandel würde lediglich bereits reiche Länder begünstigen, da sie durch ihren technologischen Vorsprung in der Lage sind, zu niedrigeren Kosten zu produzieren. Die Lösung wäre, Zölle und Subventionen so einzusetzen, dass sie Entwicklungsländer bevorzugen. Einerseits sollten Entwicklungsländer das Recht erhalten, ihre Agrar- und Handelspolitik selbst zu bestimmen. Das beinhaltet auch den Einsatz von Schutzzöllen und Beihilfen entsprechend ihren Erfordernissen. Andererseits müssten Industrieländer beim Einsatz von rücksichtslosen Zöllen und Beihilfen eingeschränkt werden. Sie sollten ihre Märkte für Produkte aus Entwicklungsländern öffnen. Die Produktion für den Export kann also ein Werkzeug für Entwicklung sein, wenn das gegenwärtige Handelsystem verändert wird.

Exporte können zur Bekämpfung des Hungers beitragen, wenn…
  • Zollschranken in Industrieländern beseitigt werden.
  • Entwicklungsländer ihre eigene Lebensmittelindustrie aufbauen können.
  • einseitige Präferenzen für arme Länder beibehalten werden
  • kleinbäuerliche Betriebe unterstützt werden, indem sie z.B. einen direkten Marktzugang erhalten
  • die lokale Nahrungsmittelproduktion gestärkt wird
  • ProduzentInnen faire Preise und ArbeiterInnen angemessene Löhne erhalten.
    Ein positives Beispiel hierfür ist der Faire Handel
Inlandsmärkte sind für die Entwicklung jedoch genauso wichtig wie globale Märkte. Der lokale Markt ist noch immer der Hauptabsatzmarkt für die meisten ProduzentInnen. Deshalb muss die lokale Nahrungsmittelproduktion Priorität haben. Die Produktion für den lokalen und den globalen Markt sollte sich ergänzen.

Wir fordern daher:

Entwicklungsländer müssen das Recht haben, ihre Agrar- und Handelspolitik an die gesellschaftlichen Bedingungen anzupassen.

Entwicklungsländer brauchen gerechte Rahmenbedingungen, um ihre eigene Lebensmittelindustrie aufzubauen.

Lokale Nahrungsmittelproduktion muss Priorität sein – auch um Ernährungssicherheit gewährleisten zu können.

Die Versorgungskette muss auch EinzelhändlerInnen einschließen, um faire Preise für die ProduzentInnen zu erzielen.

Die Politik der Schutzzölle muss angewandt werden, um zur Hungerbekämpfung beizutragen (z.B. Investition, Dienstleistungen), nicht jedoch um den Marktvorteil der Industrienationen weiter aufzubauen.

Der Faire Handel soll ausgeweitet werden, da er ein positives Beispiel dafür ist, wie Exporte die Lebensbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern verbessern können.



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